Die letzte Etappe

Veröffentlicht am 1. Oktober 2026 um 13:56

Svendborg 

Von Agersø ging es weiter durch den Svendborgsund. Hier kreuzten wir hoch und trafen auf dem Wasser das alte Passagierschiff Helge, welches seit 1924 auf dem Svendborgsund unterwegs ist. 

Der Stadthafen von Svendborg war bereits gut gefüllt. Da am kommenden Wochenende eine Regatta stattfinden sollte, wies der Hafenmeister die ankommenden Schiffe persönlich ein. Da wir nur für eine Nacht bleiben wollten, hatten wir Glück und konnten noch einen Liegeplatz ergattern.

Einfahrt Hafen von Svendborg 

Svendborg war wieder wunderschön, und es hat erneut viel Spaß gemacht, die Orte zu entdecken, an denen wir bereits beim letzten Mal gewesen waren.

Anschließend ging es weiter zum Ankern vor der Insel Drejø. Für diesen Tag hatten wir eine kürzere Strecke geplant und beschlossen, nach dem Ankern dort erst einmal Mittag zu essen.

Nach dem Essen überprüften wir noch einmal unsere Position, um sicherzugehen, dass der Anker zuverlässig hielt. Leider mussten wir feststellen, dass dies nicht der Fall war, und so blieb uns nichts anderes übrig, als den Anker wieder hochzuholen.

Als er schließlich oben war, wussten wir auch, warum er nicht gehalten hatte: An ihm hing eine große Menge Seegras. Damit war klar, dass wir für die Nacht einen anderen Ankerplatz suchen mussten.

Auf dem Weg nach Drejø begegneten wir zunächst einer Robbe und kurz darauf einem Schweinswal. Den Schweinswal konnte ich leider nicht mehr auf dem Foto festhalten.

Wir beschlossen, vor Marstal noch einmal zu ankern. Der Weg dorthin ist sehr schmal, und man muss gut darauf achten, das Fahrwasser nicht zu verlassen, da es außerhalb davon sehr flach ist. Nach etwa zwei Stunden kamen wir kurz vor Marstal an.

Hier konnten wir an einer Boje festmachen. Langsam wurde es dunkel, und zum Abschluss des Tages konnten wir noch einmal einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen.

Als es dunkel wurde, nahmen die Wellen zu und wir dachten schon, dass uns eine unruhige Nacht bevorstehen würde. Wir schauten noch einmal nach draußen, um die Pinne festzubinden, damit das Ruder nicht ständig hin und her schlug, und um nach dem Rechten zu sehen.

Als wir an der Boje festgemacht hatten, lagen wir direkt vor einem beleuchteten Seezeichen. Übrigens war es das einzige Seezeichen bei Marstal mit Befeuerung. Nun waren die Lichter des Seezeichens plötzlich nicht mehr neben uns, sondern etwa 100 Meter entfernt. Es sah ganz danach aus, als würde die Boje nicht halten und sich versetzt haben.

Schnell schalteten wir unseren Plotter ein, der unsere Bewegungen aufzeichnete. Tatsächlich hatte sich die Boje versetzt, was normalerweise eigentlich nie vorkommt und wir befanden uns bereits direkt am flachen Bereich. Jetzt musste es schnell gehen. Wir machten alles seefest, zogen uns an und starteten den Motor. Noch nie hatten wir so schnell abgelegt und gleichzeitig alles für die Einfahrt in den Hafen vorbereitet.

Die Nacht war pechschwarz und man konnte kaum etwas erkennen. Mit einer starken Lampe, die wir an unser Stromnetz anschließen konnten, und mithilfe des Plotters tasteten wir uns in den Hafen vor. Der Hafen war sehr schmal, aber zum Glück war mein Vater schon oft hier gewesen und kannte sich gut aus. Selbst im Hafen war es stockdunkel und es brannte kaum Licht.

Da vorne bereits alles belegt war, fuhren wir bis ganz nach hinten. Dort machten wir am Rundsteg fest. Zum Glück waren noch zwei Leute am Steg, die uns beim Anlegen halfen. Eigentlich hätten wir nach diesem Manöver einen Schnaps gebraucht, leider hatten wir aber keinen an Bord. Also gab es erst einmal ein Glas Bier auf den Schreck.

Wenn man auf so ein Manöver überhaupt nicht vorbereitet ist und eigentlich gerade ins Bett gehen wollte, macht es die Situation umso aufregender und schwieriger. Zum Glück hat aber alles gut funktioniert und wir konnten nun endlich ruhig schlafen.

Der nächste Tag begann mit tollem Wetter. Ich war ein letztes Mal paddeln und bin danach am Strand noch eine Runde im Meer geschwommen. Für die Überfahrt zogen wir die große Genua hoch und legten die kleinere auf dem Steg zusammen. An diesem Tag ging es nicht mehr so weit. Unser Ziel war Bagenkop.

Das letzte mal am Paddeln 

Hütten am Strand 

Auf dem Weg nach Bagenkop hatten wir tollen Wind. Selbst eine 38er mit Kevlarsegeln war nicht wirklich schneller als wir mit unseren alten Segeln. Wir überholten außerdem ein älteres Boot und wunderten uns, warum der Skipper bei diesem Wind den Motor laufen ließ. Seine Segel standen allerdings auch nicht besonders gut, weshalb er ebenfalls nicht sehr schnell unterwegs war.

Kurz nach dem Überholen blieb das Boot direkt achterlich hinter uns. Wir hatten das Gefühl, dass er mit dem Motor absichtlich mehr Gas gab. Wir dachten schon, dass vielleicht etwas mit seinem Motor nicht stimmte und er deshalb schnell in den Hafen wollte. Deshalb riefen wir nach hinten und fragten, ob alles in Ordnung sei. Einer der beiden Crewmitglieder rief uns ein „Ja“ zurück. Danach fuhren sie nicht mehr ganz so dicht hinter uns.

Vor dem Hafen nahmen wir die Segel runter und das Anlegen lief sehr gut. Auf der gegenüberliegenden Seite unseres Steges machte auch das Schiff fest, das wir zuvor überholt hatten. Das war echtes Hafenkino. Sie benötigten mit Hilfe bestimmt 20 Minuten, bis das Boot endlich festgemacht war.

Wir machten unser Schiff in der Zwischenzeit fertig und gönnten uns beim Hafenmeisterbüro zwei frisch gezapfte Biere.

Kurz darauf kam der Eigner des anderen Schiffes bei uns vorbei und sprach uns an. Wir kamen ins Gespräch und er setzte sich schließlich zu uns. Er erzählte uns, dass er noch kompletter Neuling sei und sich extra deshalb über Ebay Kleinanzeigen einen Profi gesucht hatte, der mit ihm segelt und ihm etwas beibringt.

Leider hatte sich beim gemeinsamen Segeln herausgestellt, dass dieser Profi wohl doch nicht so viel Ahnung hatte und mehr behauptet hatte, als tatsächlich der Fall war. Wir gaben ihn paar Tipps und Kontaktdaten für einen Winterstellplatz. Als Dank gab er uns noch eine Runde Bier aus. 

Später kam er noch einmal zu uns an Bord, da er es mit seinem Mitsegler nicht mehr aushielt. Da wir inzwischen kein Bier mehr hatten, konnte der Abend zum Glück nicht allzu lang werden. Außerdem mussten wir am nächsten Morgen früh starten.

Unser vorletztes Ziel war Heiligenhafen.

 

Wie geplant starteten wir früh. Leider kam der Wind nicht mehr aus der angesagten Richtung, sodass wir unseren Kurs nicht halten konnten. Wir mussten deshalb kreuzen und zwischendurch immer wieder viel motoren.

Nach etwa sechs Stunden kam schließlich die Fehmarnsundbrücke in Sicht. Nun war es nicht mehr weit bis Heiligenhafen und zu unserem letzten Reiseziel, dem Hafen Burgtiefe auf Fehmarn.

Heiligenhafen in Sicht

Nach einem schönen Spaziergang durch Heiligenhafen sind wir im Restaurant Anno 1800 eingekehrt. Das Essen war richtig gut und der Service super freundlich und aufmerksam. Wir haben uns dort sehr wohlgefühlt und hatten einen richtig schönen Abend.

 

Am nächsten Morgen ging es weiter: Wir segelten Richtung Burgtiefe auf Fehmarn und fuhren dabei unter der Fehmarnsundbrücke hindurch.

Um das Segel noch etwas trocknen zu lassen und weil es gerade so gut lief, kreuzten wir noch ein wenig vor der Küste, bevor wir in den Hafen fuhren.

Abgekommen auf Fehmarn 

 

Jetzt hieß es auspacken und putzen für die nächsten zwei Tage, bevor es weiter nach Hannover ging. Dort blieb ich eine Woche, ehe ich mich auf den Weg nach Hause machte. 

 

Die Reise war eine unglaublich schöne und besondere Zeit. Trotz des begrenzten Platzes und der langen gemeinsamen Zeit gab es kaum Reibereien, und wir haben uns die ganze Zeit über sehr gut verstanden. Die drei Monate sind viel schneller vergangen, als ich gedacht hätte.

Es gab so unglaublich viel zu entdecken und zu erleben, und ich werde diese Reise sicher nie vergessen. Mein besonderer Dank gilt meinem Vater, der es so lange mit mir ausgehalten hat – obwohl er natürlich auch ständig mit mir wandern musste. 😉

Es ist ein absolutes Privileg, eine solche Reise gemeinsam mit meinem Vater erleben zu dürfen. Dafür bin ich unglaublich dankbar.

 

 

Hiermit endet unser Blog. Ich möchte mich bei allen bedanken, die uns auf dieser besonderen Reise begleitet haben. Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig inspirieren, auch einmal aus dem Alltag auszubrechen, neue Abenteuer zu wagen und vielleicht selbst eine solche Reise anzutreten.

Vielen Dank fürs Mitlesen und Begleiten! 

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