Überfahrt nach Anholt
Um 8:30 Uhr sind wir von Donsø gestartet. Es war noch immer ordentlich Wind vorhanden und die Wellen hatten sich inzwischen auf etwa zwei Meter aufgebaut. Das Großsegel hatten wir vorsichtshalber bereits im zweiten Reff vorbereitet.
Eine Welle erwischte uns schließlich mit voller Breitseite, sodass ich mich erst einmal komplett umziehen musste. Von da an ging es mit Gummistiefeln weiter.
Die hohen Wellen bremsten uns leider deutlich aus, sodass wir langsamer vorankamen als gedacht. Gegen 15:50 Uhr nahm der Wind dann wieder etwas ab. Wir konnten das Großsegel aus dem Reff nehmen und auch die bereits gereffte Genua wieder vollständig öffnen.
Eine Stunde später, kurz vor Anholt, nahm der Wind plötzlich wieder stark zu. Da wir mit gerefften Segeln jedoch kaum gegen die hohen Wellen angekommen wären, beschlossen wir, mit den voll geöffneten Segeln weiterzufahren.
Nach insgesamt 10 Stunden und 58,23 Seemeilen kamen wir endlich im Hafen von Anholt an.
Der Hafen war kaum wiederzuerkennen. Bei unserem letzten Besuch lagen hier noch Hunderte Schiffe, jetzt waren es zusammen mit uns gerade einmal acht. Der Strand war zwar noch immer wunderschön, aber im Hafen waren kaum Menschen zu sehen. Von den vielen Bars und Restaurants hatte außerdem nur noch eines geöffnet.
Es war ein langer und anstrengender Tag auf See, aber umso schöner war es, endlich wieder sicher im Hafen angekommen zu sein.
Hafen auf der Insel Anholt
Zum verglich, so sah es beim letzten Mal im Juli aus:
Der Strand ist trotzdem noch schön, aber zu kalt und windig um schwimmen zu gehen
Letzter Blick auf dem Hafen am nächsten Tag, bevor es weiter geht.
Um 10 Uhr haben wir abgelegt. Draußen hatte der Wind wieder deutlich aufgefrischt, und bei 23 Knoten Wind machten wir uns mit etwa 7 Knoten Fahrt auf den Weg Richtung Grenaa.
Tschüss Anholt!
Der Wind nahm weiter zu und wir fuhren hart am Wind. Dabei legte sich das Schiff ordentlich auf die Seite, bis zu 30 Grad Schräglage und einmal sogar 40 Grad. Da wurde es uns dann doch etwas zu viel, und wir mussten das Großsegel öffnen. Dadurch konnten wir allerdings nicht mehr so viel Höhe laufen, sodass wir schließlich vor dem Hafen von Grenaa kreuzen mussten.
Um 18 Uhr machten wir dann endlich im Hafen von Grenaa fest. Hier blieben wir zwei Nächte, um unsere Vorräte aufzufüllen und uns von den längeren Schlägen der vergangenen Tage etwas zu erholen.
In Grenaa gab es einen Fluss, der bis in die Stadt führte. Eigentlich wollte ich den Fluss ein Stück hochpaddeln, doch leider hat mir der Regen einen Strich durch die Rechnung gemacht. So wurde es stattdessen ein entspannter Tag an Bord.
Ganz ohne Arbeit blieb der Tag allerdings nicht. Wir hatten Wasser in der Bilge, also an der tiefsten Stelle im Inneren des Schiffes. Zunächst sah es so aus, als wäre der Tiefenmesser undicht. Das wäre eine Katastrophe gewesen, denn dann hätten wir das Schiff aus dem Wasser kranen lassen müssen. Das hätte uns gleich mehrere Tage zurückgeworfen.
Also hieß es: Bett ausräumen und auf die Suche nach der Ursache gehen. Nach weiterem suchen fanden wir schließlich den eigentlichen Übeltäter.
Das Schiff hat Anfang dieses Jahres eine elektrische Ankerwinsch bekommen, die uns das Hochziehen des Ankers deutlich erleichtert. Leider wurden die Kabel im Ankerkasten nicht vernünftig abgedichtet, sodass durch den Regen Wasser eindringen konnte. Notgedrungen haben wir die Stelle zunächst mit Gaffer-Tape abgeklebt, damit das Wasser daran vorbeiläuft und nicht mehr ins Schiff gelangt. Nicht besonders elegant, aber zumindest eine schnelle Lösung.
Am nächsten Tag ging es weiter nach Langør auf der Insel Samsø. Eigentlich sollte der Hafen eine Wassertiefe von 2,30 Metern haben. Der Hafen war relativ klein und dazu ziemlich windig. Als wir schließlich in der Box festgemacht hatten, bemerkten wir erst, dass es dort tatsächlich nur 1,70 Meter tief war. Unser Schiff hat einen Tiefgang von 1,80 Metern.
Zum Glück war der Untergrund schlammig, sodass die geringe Wassertiefe keinen Schaden am Schiff verursachte. Allerdings hätte ein weiterer fallender Wasserstand bedeutet, dass wir den Hafen nicht mehr hätten verlassen können.
Unser Nachbar hatte den gleichen Tiefgang und schaute online nach den Gezeiten. Demnach sollte der Wasserstand am nächsten Morgen wieder steigen. Trotzdem war uns die Situation zu unsicher. Deshalb machten wir noch einmal los und legten uns am Außensteg des Hafens längsseits. Dort lagen wir hinter einem anderen Schiff windgeschützt und deutlich ruhiger.
Hafen von Langør auf Samsø
Von Samsø aus ging es weiter in den „Großen Belt“. Unser nächstes Highlight wartete dabei schon vor uns: die riesige Storebæltsbroen, unter der wir mit unserem Schiff hindurchsegelten.
Im Großen Belt war an diesem Tag einiges los. Vor allem die großen Containerschiffe sorgten für ordentlich Verkehr auf dem Wasser. Da heißt es, aufmerksam zu bleiben, die Schiffe im Blick zu behalten. Oft sind diese schneller da als man denkt.
Dafür waren Wind und Strömung an diesem Tag voll auf unserer Seite. Beides schob uns ordentlich voran, sodass wir zeitweise mit über 9 Knoten unterwegs waren, so schnell waren wir mit unserem Schiff bisher noch nie gesegelt. So kamen wir deutlich schneller als erwartet in der Bucht von der Insel Agersø an. Hier machten wir an einer Boje fest und blieben gleich zwei Nächte. Für den nächsten Tag war Wind aus Süd angesagt, was für uns Gegenwind bedeutet hätte. Also beschlossen wir, lieber noch einen Tag abzuwarten.
Am darauffolgenden Tag drehte der Wind wieder auf West und damit passte es für uns perfekt, um die Reise fortzusetzen. Unser nächstes Ziel war Svendborg.
Svendborg kannte ich bereits von einer früheren Reise. Damals hatte mir die Stadt sehr gut gefallen, und deshalb freute ich mich darauf, wieder dorthin zurückzukehren.
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