Von Kristiansand weiter in den Süden von Norwegen

Veröffentlicht am 11. August 2026 um 11:58

Süden Norwegens 

Nach dem Ablegen in Kristiansand ging es weiter Richtung Mandal. Schon in Kristiansand merkte man, dass die Saison in Norwegen langsam zu Ende geht, denn nur noch etwa die Hälfte der Liegeplätze im Hafen war belegt.

Nach den vielen Städten und den zahlreichen Menschen wollten wir wieder eine einsame Bucht nahe Mandal aufsuchen. Kurz nach dem Ablegen zog es sich jedoch zu und es begann, stark zu regnen. Da kaum Wind aufkam und wir deshalb nur unter Motor unterwegs waren, bauten wir die Kuchenbude (ähnlich wie ein Zelt) auf, um im Cockpit vor dem Regen geschützt zu sein.

Nach dem Regen zog noch dichter Nebel auf. Also hieß es: Licht an und das Nebelhorn rausholen. Mein Vater übernahm vorne am Bug den Ausguck und gab alle zwei Minuten einen langen Ton mit dem Nebelhorn ab. So navigierten wir uns vorsichtig durch den dichten Nebel und an anderen Schiffen vorbei.

Weiter ging es durch die Binnengewässer und schließlich langsam auf eine gerade einmal 19 Meter hohe Brücke zu. Unser Schiff ist 18 Meter hoch, sagen wir mal so: das war eine ziemlich knappe Sache. Wir fuhren deshalb im Schneckentempo hindurch, sodass wir im Notfall jederzeit noch hätten rückwärtsfahren können.

Nicht weit von der Stadt Mandal entfernt, machten wir in einer kleinen Seitenbucht der Søndrekilen-Bucht an einer Boje fest. Hier lagen wir ganz allein und hatten die Bucht für uns. Das Wetter hatte sich inzwischen ebenfalls gebessert: Der Nebel verzog sich langsam, der Himmel klarte auf und die Sonne kam wieder zum Vorschein. Nach dem regnerischen und kalten Tagen bei Bergen, freuen wir uns wieder über 20 Grad und die strahlende Sonne.

Mit dem Dingi ging es anschließend ans Ufer, wo wir an einem kleinen Steg festmachten. Von dort aus wanderten wir über die Insel. Der Weg führte uns vorbei an zahlreichen alten Nazi Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg. Viele davon sind noch gut erhalten und können sogar betreten werden.

Es war schon ein eigenartiges Gefühl, an diesen alten Bunkern vorbeizugehen und sich vorzustellen, was hier einmal passiert ist. Man kann nur hoffen, dass eine solche Zeit niemals wiederkommt.

Oben auf dem Berg angekommen, wurden wir mit einer fantastischen Aussicht über die Schärenlandschaft Norwegens belohnt. Von hier aus waren wir außerdem nur noch wenige Kilometer vom südlichsten Punkt Norwegens entfernt.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Mandal. Da inzwischen wieder Wind aufgekommen war und wir außerdem Strom benötigten, entschieden wir uns, in den Hafen zu fahren. Bevor wir jedoch in Mandal einliefen, ankerten wir noch einmal vor dem Strand Kanelstranda.

Kanelstranda gilt als einer der schönsten Strände Norwegens. Natürlich wollten wir uns diesen nicht entgehen lassen und fuhren noch einmal mit dem Dingi an Land, um den Strand zu erkunden.

Das Gewächshaus bei der Villa Risøbank ist für die Allgemeinheit zugänglich. Dort darf man sogar reife Früchte direkt aus dem Gewächshaus pflücken und naschen.

Zurück am Dingi angekommen, hat mein Vater beim Starten des Motors den „Taucher“ gemacht und ist rückwärts vom Dingi ins Wasser gefallen. Damit hatte sich auch die Frage erledigt, ob er bei einer Wassertemperatur von 15,5 Grad noch schwimmen geht. 😄

Am Schiff angekommen, haben wir relativ schnell den Anker gelichtet, da der Wind stark zugenommen hatte und sich um uns herum einige Windsurfer breitgemacht hatten, die dem Schiff teilweise gefährlich nahe kamen.

Weiter ging es nach Mandal in den Stadthafen. Der Hafen war komplett voll und kein Platz mehr frei. Ein Holländer rief uns allerdings zu, dass er in fünf Minuten ablegt und wir anschließend seinen Platz übernehmen könnten. Gesagt, getan und schon hatten wir den perfekten Liegeplatz direkt längsseits an der Kaimauer.

Auf der anderen Seite spielte in einer Bar Live-Musik, während wir in der Sonne lagen. Es sah nach dem perfekten Platz aus. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: An diesem Wochenende fand das jährliche Schalentierfestival statt. Am Abend verwandelte sich der Hafen deshalb in ein großes Volksfest.

Die Hauptbühne war nicht weit von uns entfernt. Da sie allerdings in die entgegengesetzte Richtung ausgerichtet war, schallte die Musik von mehreren Seiten zu uns herüber und war dadurch leider nicht besonders angenehm anzuhören. Für das Festival selbst benötigte man eine Eintrittskarte. Da das Ticket relativ teuer war und wir die auftretenden Bands nicht kannten, entschieden wir uns dagegen.

Nach einer unruhigen Nacht mit lauten, betrunkenen Leuten (die Party ging noch bis etwa 4 Uhr morgens), beschlossen wir am nächsten Tag, doch wieder abzulegen und nicht wie ursprünglich geplant zwei Nächte zu bleiben.

Ich nutzte den Mittag noch für eine Tour mit dem SUP-Board und machte anschließend einen Abstecher auf den Hügel oberhalb von Mandal. Von dort hatte man einen tollen Ausblick über die Stadt und hinaus aufs Meer.

Bühne Mandal, über den Sichtschutz fotografiert 

Ausblick vom Hügel bei Mandal. Das sogenannte Fernrohrhäuschen wurde 1862 errichtet und vom russischen Zaren Nikolai I. als Dank für die Rettung der Besatzung eines sinkenden russischen Schiffes gestiftet. Bei dem Unglück kamen 389 Menschen ums Leben, während 503 Personen gerettet werden konnten.

Historische Laksestige (Lachswarteleiter), Fischer haben von dort die Lachsschwärme beobachtet und entsprechend die Schiffe losgeschickt.

Nachdem wir noch neue Lebensmittel eingekauft hatten, machten wir uns wieder auf den Weg. Jetzt sind wir schon langsam auf dem Rückweg entlang der norwegischen Küste richtung Schweden. In der Bucht machten wir wieder an einer Boje fest. Diesmal ging es nicht ganz so weit, etwa eine Stunde von Mandal entfernt, in eine kleine Bucht namens Bergekilen Dort machten wir wieder an einer Boje fest. Hier war es deutlich ruhiger. Trotz der Entfernung konnten wir zwischendurch noch ganz leise die Musik vom Festival hören.

Der nächste Tag begann zunächst mit einer kleinen Reparatur am Motor. Seit einigen Tagen verloren wir bereits Öl. Wir vermuteten, dass es an der Ölablassschraube lag und die Dichtung nicht mehr richtig abdichtete. Das hätte wahrscheinlich einen Werkstattbesuch bedeutet.

Zum Glück schauten wir noch einmal genauer nach. Um sicherzugehen, dass tatsächlich dort das Öl austrat, klebten wir die Schraube mit Küchenrolle ab. Schnell stellte sich heraus: Zum Glück lag es nicht an der Ölablassschraube! Stattdessen hatte sich der Ölfilter gelöst. Wir konnten ihn wieder festziehen und uns damit einen teuren Werkstattbesuch sparen.

Danach ging es weiter zur Insel Stokken, die vor Kristiansand liegt. Ein Norweger hatte uns die Insel bereits zu Beginn unserer Reise empfohlen. Er verbringt dort jedes Jahr den Anfang der Saison im Mai und Juni.

Wie es auf Stokken weitergeht, erzähle ich im nächsten Blogbeitrag.

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